Ein Business Object Model (BOM) beschreibt das Datenmodell des Unternehmens und bietet so eine Grundlage der Zusammenarbeit, bei der sich Menschen und IT-Systeme perfekt ergänzen und verstehen. Das BOM bildet den kleinsten gemeinsamen Nenner ab, alle Akteure verstehen das Geschäft besser und können so sicherstellen, dass die Software- und Datenmanagement-Systeme wirklich den Geschäftsanforderungen entsprechen.

Welchen Zweck hat das BOM?

Das Business-Objekt-Modell:

  • Ermöglicht ein gemeinsames Verständnis der Semantik und Verantwortung von Geschäftsdaten in den verschiedenen Organisationseinheiten
  • Fördert eine interdisziplinäre, cross-funktionale Zusammenarbeit
  • Bietet einen globalen und konsistenten Überblick über die wichtigsten Geschäftsfälle
  • Trägt zu einer System-Vision bei (CMS, CRM, ERP, DWH, Data Lake, Digital Analytics, Data Pipeline, Plattform/Backend)
  • Bietet eine Grundlage für den Entwurf von Anforderungsspezifikationen
  • Hilft, die Systemarchitektur einheitlich zu halten, was zu kosteneffizienten Lösungen führt

Das BOM ist eine Möglichkeit, die Geschäftsprozesse in Bezug auf Verantwortlichkeiten, Ergebnisse und kollaboratives Verhalten zu beschreiben. Ohne ein BOM, läuft ein Unternehmen Gefahr, dass die Software-Entwickler sich auf eine produktorientierte, vertikale Lösung fokussieren. So entsteht Software, die zu einem konkreten Geschäftsprozess passt. Solche Systeme behindern früher oder später eine kundenzentrierte, horizontale Ausrichtung des Unternehmens.

Woraus besteht das BOM?

Das BOM ist ein Ergebnis, das End-to-End als Abstraktion beschreibt, wie Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen miteinander in Beziehung stehen und zusammenarbeiten müssen, um das Business zu betreiben.

Das BOM umfasst:

  • Entitäten – sind abstrakte Spezifikation von Geschäftsobjekten (Kunde, Vertrag, Produkt, Lieferant) und deren Status, die anhand ihrer Attribute definiert werden
  • Organisation – die Organisationsstruktur der Units und die Rollen die in dieser Struktur bestimmte Aufgaben und Verantwortlichkeiten wahrnehmen
  • Systeme – die Tools/Technologie- und Datenfluss-Architektur, die die Geschäftsaktivitäten ermöglichen
  • Use Cases – eine Beschreibung der wichtigsten geschäftlichen Anwendungsfälle/Prozesse
  • Beziehungen – repräsentieren Eigentum, Verantwortung, Abhängigkeiten usw.

Hinweis: Ein Domänen-Modell (Branche/Markt) ist eine Teilmenge des BOM, das keine Verantwortlichkeiten enthält, sondern sich nur auf den Informationsgehalt (Daten, Business Logik) der Teil-Organisation konzentriert.

Wie entsteht ein BOM?

Das BOM entsteht in interdisziplinärer Zusammenarbeit (nahezu) aller Unternehmensbereiche. Im Kernteam befinden sich zum Beispiel Vertreter der Bereiche Business Analytics, IT Architektur, Software-Entwicklung, CRM, Buchhaltung, Produkt Management, Projekt Management und Kundenservice. Unternehmensbereiche, die nicht ständig in Kontakt zu BOM Themen sind (Marketing, Order Management, Vertrieb, andere Business Units) entsenden ihre Vertreter in das Kernteam nach Bedarf. Eine geeignete Rolle im Unternehmen übernimmt die Steuerung und dient als zentraler Ansprechpartner und Multiplikator (z.B. der Chief Data Officer).

Das Kernteam entwirft einen Vorschlag zum BOM. Dieser Entwurf beschreibt den zukünftigen Zustand und besteht aus:

  • der Struktur der Organisation
  • den Rollen und Verantwortlichkeiten
  • den Anwendungsfällen auf oberster Ebene
  • und einem Diagramm der Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen

Arbeitsergebnisse werden in einem Steuerungskreis vorgestellt und gemeinsam verabschiedet. Das Kernteam ist fortlaufend für die Analyse der Anforderungen und des Feedbacks, die Moderation der Diskussion und Entscheidungsfindung, die Modellierung und Dokumentation der Entscheidungen und Definitionen, sowie für die erneute Freigabe und Publikation des Modells verantwortlich. Dafür muss ein geeignetes Framework gefunden werden (z.B. Confluence, Jira, …).

Wie jetzt weiter?

Ein BOM ist nie fertig, es gibt immer Bedarf an interdisziplinärer Abstimmung. Besonders bei der Integration von neuen Geschäftseinheiten in ein bestehendes Unternehmen, wird sich das BOM schnell als sehr hilfreich und wirkungsvoll erweisen.

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